Artikel unter 'Emmi Schellberger'

Biographisches - Emmi G. Schellberger (1919 - 2007)

Portrait-Emmi.jpg

“Wie eine Sonne bist Du mir, wie eine tiefe Helle, und wie ein Licht, das nicht vergeht; wohin auch Deine Hand mich weht, bin ich doch Deine Welle und ganz in Dir. …”
27.12.1946 (E.G. Schellberger)

Emma (genannt Emmi) Goldrun Schellberger wurde am 10.11.1919 in Aussig -  Neu-Lerchenfeld (heute: Ústí nad Labem) in Tschechien als Tochter des deutschen Bahnbeamten Anton Stastny und seiner Frau Rosa geboren.
Hier besuchte sie die örtliche Volks- und Bürgerschule und studierte von 1942 bis 1945 (Sozial)- Pädagogik in Prag, wo sie im April 1945 das erste Staatsexamen für Lehramt ablegte.


In der Zeit der Vertreibung von 1945 bis 1947 war es ihr auch aufgrund ihrer perfekten tschechischen Sprachkenntnisse möglich, die Schwestern im Krankenhaus in ihrer täglichen Arbeit gegen die verheerenden Folgen des Krieges zu unterstützen.
So wurde ihr z.B. an Weihnachten 1945 gestattet als „Weihnachtsengel” die Gefangenen im vorgelagerten Internierungslager zu besuchen und Trost zu spenden.
Ihr soziales Engagement leitete und begleitete sie ihr Leben lang.

1946 starb ihr Vater.
Kurz danach wurde Sie mit Ihrer Mutter aus Ihrer Heimat ausgewiesen.
In Nieder - Modau in Hessen fanden sie beide Zuflucht und begannen hier ein „neues” Leben.
Am pädagogischen Institut in Darmstadt hatte Emmi, ebenso wie Gerfried, die Möglichkeit ihr Lehramtsstudium fortzuführen und legte das zweite Staatsexamen ab.
1949 wurde sie zur Lehramtsanwärterin ernannt bis sie schließlich 1954 den Beamtenstatus als Lehrerin erlangte.

1953 heirateten Sie und Gerfried in Königsdorf in Oberbayern.
Die beiden hatten sich in ihrer „sudetendeutschen” Heimat 1942 kennen gelernt.

1956 zogen Sie zusammen nach Schienen - Öhningen, am Bodensee, nahe der Schweizer Grenze in Baden Württemberg, wo Emmi fortan als Lehrerin an der Oberstufe sowie an der Grundschule tätig war. 22 Jahre war sie Schulleiterin vor Ort.

Selbst kinderlos setzte sie ihre ganze Liebe und innere Freude in die Erziehung ihrer anvertrauten Schüler. In ihrer Mütterlichkeit förderte sie nicht nur die guten Schüler, sondern vor allem auch die Schwächeren, weit über den normalen Schulalltag hinaus.

1981 ging sie zusammen mit Gerfried in den Ruhestand.

Als Mitglied des Vereins „Experiment” unternahm sie große Reisen ins europäische Ausland, aber auch nach Kanada und in die USA im Sinne einer Botschafterin des guten Willens und der friedvollen interkulturellen Völkerverständigung.

Auch mit Gerfried verreiste sie vor allem nach Österreich, in die Schweiz, Italien, Tschechien, sowie Kolumbien und Nordamerika.
Emmi setzte sich sehr für das künstlerische Werk ihres Gatten ein, arrangierte Ausstellungen und Lesungen und half ihm bei der Bekanntmachung und Verbreitung seiner ideell- christlichen und sozialen Einstellung.

2001 erschien mit Unterstützung ihres Mannes Ihr Buch „Kindheit und Jugend in Deutschböhmen”.
Hierin erlebt man die Zeitgeschichte Aussigs und seiner Umgebung in den Jahren von 1919 bis 1946, als auch für Emmi die Heimat verloren ging.
Zudem reflektiert sie die Jahre von 1964 bis 2001 als “Späte Erinnerungen” und dem Wiedersehen mit der “alten Heimat”.
Dank Ihrer zuverlässigen Erinnerung wird nicht nur das Heranwachsen eines Mädchens in Böhmen dokumentiert, sondern ebenso die Vertreibung und der Untergang dieses seit nahezu 1000 Jahren deutschsprachigen Teils des „alten Böhmens” und des nördlichen „Sudetenlandes”.

Emmi Goldrun starb am 13.07.2007 in Schienen.

Haben Sie Fragen? Kontaktieren Sie den Stiftungsvorstand Prof. Dr. Volker Thieler


Themen

Links

Feeds