Artikel unter 'Literaturauszüge'

“Wahre Kunst…

… wurzelt im Ewigen, strömt wie ein Licht in diese Welt, unvergesslichen Glanzes verzaubernd ihre Finsternisse und Schatten in jenseitiger Herrlichkeit, kündend von den Urbildern alles Seins.

Botin ist sie von Gottes Herzen zu uns Menschen, rührend mit leiser Hand an unsere Seele, dass tiefe Sehnsucht uns jählings zu entrücken scheint nach jenen heiligen Gefilden, aus denen Schöpfers Atem uns gerufen und einst gebunden in Stoff und Staub.
Werkzeug ist ihr der Mensch, der schaffende, ringende Künstler, der begnadete und heimliche König ihrer Feuer. …”

(Textauszug “Über die Kunst” - ein Essay von Gerfried Schellberger, 01.01.1981)


Der Morgen

Strahlende Sonne im flammenden Morgen,
stürzender Glanz über die Erde hin,
Atem zerbricht deinen lodernden Küssen,
HImmel kündet dein einzig: Ich bin!

Es gibt keine Worte, es gibt keine Sprache,
die jemals dir genügen sollt!
Es gibt nur dein brennendes, blühendes, rotes
alles verglühendes Flammengold!

Hier steh ich, Funken deines Meeres,
und zittre, sprengender Sehnsucht Lust,
und breite die Arme, jauchzend ich sinke
an deine geliebte, leuchtende Brust.

(Gerfried Schellberger, 21.09.1962)


Bist Du das Lied?”

Bist Du das Lied, das mir im Herzen ruht?
Bist Du der Klang, die Melodie in meinem Blut?
Der ich gelauscht als Kind in dunklen Träumen,
Verweilend noch an ihren Säumen
Unendlich weit?

Die Melodie,
Die mich gesucht in langen, langen Jahren,
Da ich die Meere dieser Welt befahren,
Die mich gefunden endlich,
Neu und doch mir so vertraut
Wie jener warme, süße Laut,
Der mich getragen einst auf diese Erde
In meiner Mutter sanft Gebärde?
Die endlich mich gefunden
Meiner Zeit?

Bist Du die Melodie, die tief in meinem Blut?
Bist Du das Lied, das mir im Herzen ruht
Aus Gottes Ewigkeit?
Bist Du das Lied?

(Gerfried Schellberger, 17.02.1982)


Weltenende

Aufgerissen sind die Himmel,
aufgerissen über nachtschwarzer Erde;
herabgebrochen sind die Wolken
wie morsches Gebälk.
Und haben begraben Schuld und Tränen
und haben zertrümmert Freude und Leid
und haben gelöscht die sündigen Feuer.

Aufgerissen sind die Himmel
in ihrer ganzen unermeßlichen Tiefe;
ein Meer von Sonnen,
stürzender, glühender Welten,
aufgebrochen zu riesiger Blüte,
knospend im Antlitz des Unendlichen,
unnennbar Ewigen… .

Welch ein Brand, welche Feuer,
welch ein Flammenmeer
über der Tiefe unseres Seins…!

(Gerfried Schellberger, 26.04.1969)



Im Folgenden finden Sie Gedichtauszüge aus “Die Rosenlieder” von 1947.

Zum Geleit:
Im April des Jahres 1947 - einen Monat nach der Entlassung aus der französischen Gefangenschaft und nach dem Wiedersehen mit all den Meinen - wurden die Rosenlieder aus der Liebe zweier Menschen, die nach den spärlichen Urlaubsfreuden und ungewissen Abschiedstrennungen des langen Krieges sich endlich wieder vereinigt sahen, in überschäumenden, seligen Stunden erlebt und geboren, gefasst in Verse…

(Gerfried Schellberger, Schienen, den 01.Juli 1989)


“Dein Bild”

Dein Bild ist wie eine schmale Rose
ist keusch und rein…
In Deinem Bilde will mein Lieben
lebendig sein,
in Deinem Bild allein
und gut und rein…

Dein Herz ist wie ein junges Leuchten
von zarten Rot;
demütig wie die erste Sonne
nach Winters Not
ich meine Liebe bot
im Morgenrot…

Es ist ein Glanz um Deine Seele
wie frisches Grün:
Die unscheinbare schmale Rose
in Dir will blüh´n -
Und ich wie Tau verglüh´n
in Deinem Grün.

(Gedicht aus “Die Rosenlieder”, verfasst am 10.04.1947, veröffentlicht 1989)


“Du bist die Seele”

Du bitterdunkle Einsamkeit
mit Deinen schroffen Felsengründen,
wo Tränen fließen, Leid um Leid;
in Deinen Weiher stumm sie münden,
allein, verlassen ihrem Weh…

Nun ist Dein Glanz in ihrem Raume
als wie ein Frühling, kleine Rose!
Die Einsamkeit mir ward zum Traume,
darin Du blühst in ihrem Schoße,
und blaue Himmel trägt der See!

Du bist die Seele, ich das Land,
das kalt und leer und ohne Wonne;
erst wo ein Herz die Seele fand,
geht purpurn auf des Lichtes Sonne,
und Leben schmilzt des Winters Schnee!

(Gedicht aus “Die Rosenlieder”, verfasst am 14.04.1947, veröffentlicht 1989)


“Nur ein Traum”

Will an Deinen Säumen stehen
wie ein klein andächtig Kind;
will nur schauen Deines Atems
süßes Wehen, sanften Wind…

Will nur schauen, wie sich breiten
Deine Blüten sonnentief,
und wie selbst des Himmels Rauschen
Deinen Weiten still entschlief…

Möchte sein ein glücklich Strahlen,
und mich nahen Deinem Saum;
zu verglühen Deiner Seele
Rosenschalen, Dir ein Traum!

(Gedicht aus “Die Rosenlieder”, verfasst am 18.04.1947, veröffentlicht 1989)


Haben Sie Fragen? Kontaktieren Sie den Stiftungsvorstand Prof. Dr. Volker Thieler


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