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Norbert Schellberger - Leben und Werk

Gerfried Schellbergers älterer Bruder Norbert wurde am 13.12. 1913 ebenfalls in Arnau, Kreis Hohenelbe geboren.

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Er setzte die Familientradition, den Lehrerberuf zu ergreifen, fort und besuchte von 1929 bis 1933 die Staatslehrerbildungsanstalt in Komotau, die er in den Fächern deutsche Unterrichtssprache und Religionslehre mit „Auszeichnung” abschloss. Bis 1935 war er als Aushilfslehrer in Wotsch, Wernsdorf und Kaaden tätig. Im Anschluss folgte die Lehreranwartszeit, sowie Lehrtätigkeiten in Reschwitz und Lintsch, Kreis Luditz als Schulleiter. Am 28.03.1941 wurde er Beamter auf Lebenszeit.

Einen Tag vor Einzug in die Wehrmacht heiratete er am 08.01.1940 Justine Marie Oberst, die 1915 in Charlton, England geboren, ebenfalls in Komotau lebte.
1942 im Kriegsdienst in Russland durch Granatsplitter verletzt, geriet er 1945 schließlich nach der Kapitulation in Italien in Kriegsgefangenschaft. Bis 1946 war er in Rimini im Gefangenenlager und wurde am 27.06. gleichen Jahres in britische Kriegsgefangenschaft überstellt, die bis zum 12.05.1947 andauerte.

Völlig unerwartet starb Norbert Schellberger am 11.07.1947. Er ertrank in einem Weiher bei Unterbuchen im Landkreis Bad Tölz.

Norbert entdeckte bereits früh seine Liebe zur Kunst und führte auch seinen jüngeren Bruder Gerfried an das Zeichnen und Malen heran.
Aus Norberts Hand entstanden zahlreiche Skizzen, Zeichnungen und Gemälde in Öl und Aquarell. 1936 absolvierte er einen akademischen Kurs als Kunstmaler in Rozdalovice, Tschechien. Selbst in den Jahren 1940 bis 1947, in denen sich Norbert Schellberger in Krieg und Gefangenschaft befand, ging er, soweit dies möglich war, seiner künstlerischen Tätigkeit nach.

Neben Kriegs - und Landschaftszeichnungen sowie Skizzen aus Italien und England, fertigte er 1945/46 im Gefangenenlager in Rimini eine beeindruckende Reihe von Nadel-Gravuren an. Je nach Motiv beträgt die Kantenlänge der olivgrünen Büchsenbleche zwischen 4 und 10cm:

Weinstock.jpg “Weinstock”

Italienisches_Gebirgsdorf.jpg “Italienisches Gebirgsdorf”

Pflanzen_vor_Vollmond.jpg “Pflanzen vor Vollmond”

Lager_bei_Nacht.jpg “Lager bei Nacht”

Vorahnungen auf den kommenden Krieg und leidvolle Kriegserfahrungen spiegeln sich intensiv in seinen Sujets und greifen das Thema „Tod” und „Vernichtung” immer wieder auf. Wie sein Bruder Gerfried verarbeitete er in „Inneren Bildern” persönliche Empfindungen, die zwischen Angst, Schmerz, Leid , aber auch Hoffnung auf eine friedvollere Welt oszillieren.

Werkbeispiele:

Die Enteignung und Vertreibung der Sudetendeutschen nach 1945 bezog sich nicht nur auf Grund und Boden, sondern auch auf das Inventar der enteigneten Häuser. Nur wenige Werke von Norbert Schellberger sind dadurch erhalten geblieben. In den Wirren der Nachkriegszeit gingen viele seiner Zeichnungen und Bilder verloren, so auch die Skizzen und Zeichnungen, die sich in seinem Elternhaus befanden. Auch die Ölbilder, vorwiegend Landschaftsansichten, die der Vater Prof. Ludwig Schellberger dem Museum in Komotau übergab, sind verschollen. Zeugnis davon tragen lediglich noch Scharz-Weiß-Fotografien, die der Künstler selbst vor Ausbruch des Krieges aufgenommen hatte.

Weitere noch vorhandene Arbeiten befanden sich 1992 im „Okresni Museum”, Zentrum für kulturelle Dienste des Bezirks Chomutov (Komotau), die 1993 zusammen mit Werken von Gerfried Schellberger in Komotau zur Ausstellung kamen.
Ebenfalls gerettet werden konnten die Gemälde, Zeichnungen und Skizzen, die Norberts Frau einer tschechischen Familie 1946 zur Aufbewahrung übergeben hatte und im Jahre 1957 in den Familienbesitz zurück überführt werden konnten.

Die verbliebenen Arbeiten dienten Norbert Schellbergers Sohn, Dr. Lindfried Schellberger als Grundlage für eine Dokumentationreihe über seinen Vater, um so sein Andenken zu bewahren.
Die Reihe, die 2010 fertiggestellt wurde, besteht aus vier einzelnen Abhandlungen und gliedert sich in die Werkphasen:
Norbert Schellberger „ Miniaturen, Aquarelle, Bilder in Öl, 1933 - 1946″ „Skizzen und Zeichnungen, 1938 - 1946″, „Skizzen und Ideen, 1940 - 1947″ und „Nadel-Gravuren, Kriegsgefangenschaft Rimini 1945/46″.

Dr. Lindfried Schellberger wurde am 02.03.1944 in Komotau geboren.
Nach der Vertreibung 1946 lebte er in Klein-Felda im Vogelsberg-Kreis. Seit 1950 verbrachte er seine Schulzeit in Gießen. Ab 1964 studierte er an der Justus Liebig Universität in Gießen Biologie, Chemie und Physik sowie Psychologie für das Lehramt an Gymnasien. Sein Studium schloss er 1972 mit der Promotion ab. Das Referendariat machte er am Hardenberg Gymnasium in Fürth/Bayern. Er hatte Lehraufträge an der Universität Erlangen-Nürnberg, der Fachoberschule für Sozialpädagogik in Nürnberg und der Bundeswehrfachschule in Gießen. Unterricht erteilte er an Gymnasien und Gesamtschulen mit gymnasialer Oberstufe in Vilshofen, Fürth, Erlangen, Nürnberg, Gießen und Grünberg. Als Studiendirektor und Fachbereichsleiter leitete er zudem das mathematisch-naturwissenschaftlich-technische Aufgabenfeld an Gymnasien. Im Jahre 2000 wurde er aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig pensoniert.

Auch Lindfried Schellberger ist künstlerisch tätig. Bis 2008 griff er verschiedenste Motive in Bildern und Zeichnungen auf und fertigte eine Vielzahl von Porträts an.

Werkbeispiele:

Großen Dank möchten wir an dieser Stelle Herrn Dr. Lindfried Schellberger aussprechen. Nicht nur, dass er der Stiftung die Dokumentationsunterlagen über seinen Vater Norbert Schellberger zur Verfügung gestellt hat, sondern damit auch einen großen Beitrag zur Aufarbeitung der Familiengeschichte geleistet hat.

Haben Sie Fragen? Kontaktieren Sie den Stiftungsvorstand Prof. Dr. Volker Thieler


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