Biographisches - Gerfried Schellberger (1918 - 2008)

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“Du bist der Einzige, der mit mir spricht, wenn alle schweigen… Du bist noch Licht, wenn alle neigen sich tiefer Nacht. Du bist der Einzige, der ohne Worte und ohne Tat besteht; von keinen Orte ein Wind Dir weht, ob Deiner Macht.”… (E.G. Schellberger)

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Gerfried Schellberger wurde am 01.03.1918 in Arnau (heute: Hostinne), Tschechien, als drittes Kind von Prof. Ludwig Christoph Schellberger und Theresia Maria (geb. Tintiera aus Prag) geboren. Er wuchs in Komotau auf, wo sein Vater ab 1921 als Professor am Goethe - Gymnasium  tätig war und Gerfried hier das Abitur 1937 mit „Auszeichnung” absolvierte. 1938 begann er sein  Studium an der Karls - Universität und an der Kunstakademie in Prag, das er bereits 1939 wegen  der Einberufung zum Kriegsdienst wieder abbrechen musste.
Bis Kriegsende war er sowohl an Ost- als auch Westfront eingesetzt, bis er 1945 in französische Kriegsgefangenschaft (bei Bordeaux) kam.
1947 wurde er aus der Gefangenschaft entlassen.
Nach Kriegsdienst und Gefangenschaft lernte er bei dem Bildhauer und Töpfermeister Detlef Wüpper in Hannover - Münden und legte 1948 die Gesellenprüfung für Keramik ab.

1949 zog er zu seiner Verlobten Emmi Goldrun (geb. Stastny, Lehrerin aus Aussig, Tschechien), die er 1942 kennen lernte, nach Nieder - Modau im Odenwald (Hessen).
Hier setzte er sein Studium am Pädagogischen Institut in Darmstadt fort, wo er nach anderthalb Jahren, unter Anrechnung der Prager Semester, das Examen für Lehramt mit den Fächern Biologie und Kunsterziehung an Volks- und Mittelschulen ablegte.

1950 - 1956 arbeitete er als Lehrer in Hessen. Gesundheitlich schwer durch den Krieg gezeichnet, erlitt er 1950 einen Zusammenbruch durch Leberzirrhose, die er erst Jahre später durch seine asketische Lebensweise überwinden konnte.

1953 heirateten er und Emmi in Königsdorf in Oberbayern, wo seine Eltern und seine Schwester Lindgard Zuflucht nach dem Krieg gefunden hatten.

1956 zog das Lehrerpaar nach Schienen - Öhningen, Baden Württemberg an den Bodensee, nahe der Schweizer Grenze. Gerfried musste krankheitsbedingt fünf Jahre (bis 1961) seinen Beruf aussetzen.
In Schienen errichteten sie auf eigenem Grundstück ihr Wohnhaus mit einem einladendem „Märchengarten”, das Sie 1965 bezogen.

Neben seiner Lehrertätigkeit malte er unermüdlich und arbeitete an seinen Skulpturen aus Ton und den zum Teil lebensgroßen Plastiken aus Beton.

Seinem schriftstellerischen Talent verdankte eine Reihe tiefgründiger lyrisch- dramatischer Gedichte, sowie epischer Werke und philosophischer Gedanken ihre Entstehung.
Außerdem betrieb Schellberger mit großen Interesse und Engagement Geschichtsforschung über seine Wahlheimat am Bodensee.

Ab 1952 hatte Schellberger die Möglichkeit sowohl in Allein- als auch Gemeinschaftsausstellungen seine Werke der Öffentlichkeit zu zeigen.
1978 erfolgten dann seine ersten großen Ausstellungen im In- und Ausland, mit tatkräftiger Unterstützung seiner Frau, gewissermaßen als „ der beste Anwalt seines umfangreichen Schaffens”.

Nach der Pensionierung 1981 begann er mit der Veröffentlichung seiner literarischen Werke, mit unter zahlreiche Gedichte, Märchen, Erzählungen und Romane, sowie des Romans „Franziska Paulsen - Melodie eines Lebens” seines 1947 verstorbenen Bruders Norbert.
Ebenso verfasste und veröffentlichte er zwei Bände über seinen Wahlheimatort Schienen ( „Der Wallfahrtsort Schienen im Spiegel der Geschichte” Bd. I und II) und unterstützte die Herausgabe des Buches „Kindheit und Jugend in Deutschböhmen”, ein autobiographisches Werk seiner Frau.

Für sein Gesamtlebenswerk erhielt er 1999 die Adalbert - Stifter - Medaille der Sudetendeutschen Landsmannschaft.
Durch Schellbergers lebenslange Verbundenheit an seine Sudetendeutsche Heimat schlägt sich auch die Thematik der Sudetendeutschen Opfer des 2. Weltkrieges und der Vertreibung in seinem Schaffen nieder.
So stiftete er unter anderem im Jahre 2001 das den Opfern der Vertreibung gewidmete Werk „ Sudetendeutscher Totentanz” dem Sudetendeutschen Archiv in München für das dortig geplante Museum.

Dem Vatikan in Rom überließ er das Gemälde „Das nächtliche Licht” (1981, Öl), „Agnes von Böhmen” (Tuschezeichnung zur Heiligsprechung 1989), sowie den Bildband „Der einsame Weg” (1986) und die Bild-Fotoserie „Die Tragödie in Polen”.

Schellberger war Mitglied des Internationalen Bodenseeclubs, der Kunstvereine Radolfzell und Konstanz, sowie der Künstlergilde Esslingen, dem Bund der Vertriebenen und des Adalbert - Stifter - Vereins München.

Er starb kurz nach seinem neunzigsten Geburtstag am 22.06.2008 in Schienen.

Haben Sie Fragen? Kontaktieren Sie den Stiftungsvorstand Prof. Dr. Volker Thieler

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